Housing First: Jetzt Sofort!

Rund 2.000 Menschen leben in Hamburg auf der Straße und mehr als 5.200 Wohnungslose in den öffentlichen Unterkünften. Hinzukommt, dass sich die Einwohner*innenzahl in Hamburg seit 1990 um 180.000 erhöht hat. Im gleichen Zeitraum hat die Anzahl der Sozialwohnungen stetig abgenommen. Menschen mit geringem Einkommen, Transferleistungsbezug und Schufa-Einträgen sind auf dem eh schon angespannten Hamburger Wohnungsmarkt also chancenlos.

Das Bündnis Stadtherz setzt sich für eine soziale Stadtentwicklung rund um den Hauptbahnhof in einer Stadt für alle ein. Statt Büros, Einzelhandel und Hotels braucht es Räume ohne Konsumzwang, soziale und kulturelle Einrichtungen. Und eine Wohnraumpolitik, die auch die Interessen von Obdach- und Wohnungslosen berücksichtigt.

Das „Housing First“ Prinzip ist im Diskus der Obdachlosen-Betreuung ein alter Hut. Es stammt aus der USA und wird dort seit der 90er-Jahren erfolgreich praktiziert. Im Mittelpunkt des „Housing First“ Konzept steht das internationale „Recht auf Wohnen“ für jeden Menschen ob gesund, krank, reich, arm oder obdachlos.

Dieses Menschenrecht stellt sich quer zur tradierten Obdachlosenbetreuung, welche die Ursachen von Wohnungslosigkeit wie Überschuldung, Arbeitslosigkeit, Beziehungslosigkeit, Verarmung, psychische und Suchtkrankheiten des jeweiligen Betroffenen als individuelles Versagen gegenüber des gesellschaftlichen Mittelmaßes brandmarkt.

Im Mittelpunkt der tradierten Obdachlosen-Betreuung steht das mehrstufige Erlernen von „Wohnfähigkeit“.

  1. das Bewähren in der Notunterkunft,
  2. das Bewähren im Übergangsheim,
  3. das Bewähren im betreuten Wohnen und schließlich
  4. das Wohnen in der eigenen Wohnung.

Wer sich dabei nicht bewährt bleibt ewig im Hamsterrad des ständigen Bewährens oder landet wieder zurück auf die Straße.

Housing First – Die eigene Wohnung kommt an erster Stelle

Das „Housing First“ Prinzip stellt dieses mehrstufige Erlernen in einem sozial-revolutionären Umbruch vom Kopf auf die Füße. Am Anfang der Betreuung steht hier vorrangig die Vermittlung in eine eigene Wohnung mit einer gleichzeitigen intensiven sozial- wie wohnbegleitenden Beratung, die sich partizipativ an den individuellen Bedürfnissen und Wünschen der ehemaligen Obdachlosen ausrichtet.

New York macht es, Helsinki macht es, Lissabon macht es, Wien macht es, Düsseldorf macht es, Berlin macht es. Nur Hamburg bringt das „Housing First“ Prinzip zur langfristigen Vermeidung von Obdach- und Wohnungslosigkeit nicht auf den Weg. Und das, obwohl die Erfolge von „Housing First“ wissenschaftlich belegt sind und somit für sich sprechen.

Das Hamburg hier noch hinterher ist wollen wir ändern. Was braucht es konkret, damit auch in Hamburg das „Housing First“ Prinzip umgesetzt wird? Wie kann es im Wohnungsbestand und bei Neubauprojekten (z.B. Neubebauung ehemaliger City-Hof sowie städtische Brachfläche im Münzviertel Ecke Noderstraße/Schultzweg)  integriert werden? Hierzu befragen wir vor der Bürgerschaftswahl (23.2.20) die Fachsprecher*innen für Soziales der jeweiligen Bürgerschaftsfraktion:

Ksenija Bekeris (SPD)
Mareike Engels (Bündnis 90 / Die Grüne)
Andreas Grutzeck (CDU
Bezirksfraktion Hamburg Altona)
Cansu Özdemir (DIE LINKE)

Input: Berliner Modellprojekt “Housing First Berlin “

Moderation: Friederike Gräff (taz)

Mehr Informationen zu „Housing First”:

https://housingfirstberlin.de/

https://www.zeit.de/die-antwort/2019-03/obdachlosigkeit-housing-first-innovation-wohnungsvermittlung

https://housingfirsteurope.eu/assets/files/2017/12/housing-first-guide-deutsch.pdf

 Für das Bündnis Stadtherz:

Marius Geisler (City-Hof e.V.)

E-Mail: mariusgeisler@gmx.net                                                                 

Günter Westphal (Stadtteilinitiative Münzviertel)

E-Mail: guenter_westphal@t-online.de                               

http://www.buendnisstadtherz.org

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.